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Das Unvermögen der Kunst als ihr Vorsprung.
Die besondere historische Situation Berlins bot jahrelang einmalige Arbeits- und Lebensbedingungen für Künstler*innen: Jahrzehntelang wurde die Stadt als Paradies der Boheme gefeiert, als Metropole der Kreativität. Mehr und mehr aber sind die Akteur*innen der Berliner Kunstszene von den jüngeren Prozessen der Verdrängung bedroht. Wie viel Raum braucht Kunst? Darüber diskutieren Wibke Behrens (Kulturpolitische Gesellschaft, Sprecherin Berlin+Brandenburg - und Gründungsmitglied Berliner Initiativkreis für Orte künstlerischer Arbeit), Klaus Lederer (Kultursenator Berlin/Die Linke) und Heidi Sill (bildende Künstlerin/Sprecherin bbk berlin) unter der Moderation von Robin Jahnke (Autor/SO36).

Es sind unerklärliche Zwischenfälle und heikle Angelegenheiten: Was hat eine Schraube in der Nase von Hans Knirsch zu suchen? Wie soll Dorothea Schlüter im Angesicht brennender Stachelschweine ihren Weg finden? Und was passiert mit der strengen Helena, als sie im Badeanzug im Schnee sitzend, das tote Rehkitz streichelt? Die skurrilen Begegnungen und absurden Situationen, in denen die Protagonisten auf ihrem jeweiligen Road-Trip einer Welt begegnen, die realer nicht sein kann, entwerfen ein Bild zeitgenössischer Befindlichkeiten und Umklammerungen. Als sie sich begegnen, ist ihr Scheitern so intim wie kläglich. Doch es entsteht die Ahnung einer Möglichkeit sich zu lösen, wenn man Stereotype und die Umständlichkeit der Umstände in Frage stellt – und an sie glaubt.

Foto: Andreas Süß

Ich bräuchte eine Schnur! Die mich richtet, die den Zweifel mir vernichtet. Die verdichtet was mir scheint. Mir berichtigt was berichtet, was gemeint.

Ich bräuchte eine Klinge! Die mir kappt, was ständig einfach überlappt. Und mir den eingeschnappten Blick verstellt. Und zielgenau – in den Kern der Sache fällt. Weil mir sonst der Hals verrenkt, weil sich der Sinn dauernd verfängt. Und ich ihm auf der Spur gar abgelenkt vom Weg der Wahrheit abgedrängt.

Was glaub ich nur! Was glaub ich nur. Ich bräuchte eine Schnur.

Das SO36 in Berlin-Kreuzberg ist seit fast 40 Jahren ein magischer Ort für krasse Musik, linksradikale Politik, wilde Exzesse und heftige Flashs. Ein Ort für Punks, Hippies, Burner, Hedonisten, Homos, Heteros und andere Lichtgestalten. Das SO ist Symbol eines wütenden ­Stadtteils – Hausbesetzer vs. Bullen, Kiezmiliz, Soliaktionen, politischer Kampf.

Der opulente Jubiläumsband versammelt brutal chronologisch die Geschichten und Bilder, die diesem Ort entsprungen sind – eine Zeitreise durch die Punkgeschichte. Doch es geht um weitaus mehr als um eine Revue: Es wird auch die Frage verhandelt, warum der ­dreckige Punkschuppen oder schillernde Nachtclub das alles eigentlich überlebt hat. Ob Ratinger Hof oder CBGB’s – versunken, fast vergessen. Das SO36 aber bietet noch heute die Möglichkeit zur Ekstase, verpflichtet sich der Irritation. Der über 400 Seiten starke Bildband, ein fotolastiger Punk-Brocken, ist Rückblick und Anstiftung zugleich.

Kritik des Irgendwie-Sagenden

Dieser Herr sagte ständig „irgendwie“. Irgendwann sagte er, er sei dann „irgendwie“ vom Weg abgekommen. Ja, wie denn? Geirrt? Oder gestolpert? Wie er durch seine eigenen Sätze stolpert? Aber sein Wort „irgendwie“ sagt doch nicht, der Umstand sei irrelevant, es sagt, was er sagt sei in Gänze irrelevant. „Irgendwie“ erfüllt die Funktion Unbestimmtheit auszudrücken. Wer, wie der Herr, denn so einer war er, das erkannte ich an seinem Hut, nicht vom Inhalt seiner Rede überzeugt ist, benutzt dieses Wort. Aber auch, wer vom Inhalt seiner Rede überzeugt ist und nicht in der Lage, diesen Inhalt sprachlich treffend abzubilden. Weil sein Hirn leiert und ihm das Wort eine nötige Pause verschaffen muss. Mit der Eingebung des Irgendwie-Sagenden, dass der Inhalt seiner Rede nicht wirklich wert ist gesprochen zu werden, liegt der Betreffende vollkommen richtig, und diese Ahnung ist es, die ihn straucheln lässt. Wie schon selbst Nena feststellte, sind diese Irgendwie-Menschen verloren in Raum und Zeit. Vom Weg abgekommen. Ihr Irrtum ist es, es doch zu versuchen, trotz ihrer Erkenntnis das Wort zu ergreifen. Das bedeutet nichts anderes, als dass man immer wenn man „irgendwie“ vernimmt, seinem Gegenüber mitteilen sollte, dass er bitte die Klappe halten soll, da er nichts zu sagen hat oder nicht in der Lage dazu ist. Das tat ich.

(Ich erinnere mich noch gut an „iwie“. Dieses Portal „GuteFrage.net“ hatte mich dermaßen beeindruckt. Ein m( -Forum, welches auf den naiven Glauben rekurriert, dass das Internet alle Fragen beantworten kann oder sollte. Vermutlich viele Schüler dort, einsame Hausfrauen, hysterische Männer, was alles das Gleiche ist. Hauptsache sie beherrschen ihre Kenntnisse in Syntax und Orthografie.

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Wieso hasse ich meine Freundin ?

Ein knapper, fast stenographischer Stil bemüht, aus Faulheit oder um Zeit zu sparen. Unnötige Füllwörter fallen weg, Sätze auf Notwendigste reduziert. Da gibt es Unmengen an nachvollziehbaren Abkürzungen in diesen Zirkeln, wie zum Beispiel asap oder OMG. Doch das „iwie“ war mir bisher fremd. Anstatt sich endlich des überflüssigen Adverbs einfach zu entledigen wird es abgekürzt. WTF! Der Zusammenhang liegt auf der Hand: „iwie“ ist quasi das zentrale Wort im Netzjargon, da es im digitalen Zusammentreffen in erster Linie darum geht unhaltbare, behauptete, redundante und ungelenke Statements zu äußern. Es geht darum, Fragen zu stellen, deren Antworten verhallen, Meinungen zu meinen, die man eventuell nur vielleicht und irgendwie meint oder zumindest nur mal kurz und Antworten zu geben wie:

wer es unbedingt haben muss, kann das ja zu hause im garten machen, aber mir grauldet schon vor dem sommer, die ganzen ekligen nakischen füß in den sandalen und schlappen (brrrrrrrrr)

Das graudelt mir irgendwie auch.)

Und dabei geht es ja eineswegs um ein sprachliches Problem. Sprachhygieniker! Ach! Das sind Menschen, die etwas nicht auch nur im Ansatz verstanden haben. Nein, es handelt sich bei „irgendwie“ um ein inhaltliches Problem, da das kleine Wort eine Art und Weise angibt, die nicht bekannt ist und angeblich keine Rolle spielt. Dabei ist äußerst selten der Art und der Weise eine Rolle abzusprechen. Niemand würde es wagen „irgendwarum“ zu sagen und so dem Grund und der Ursache eine Rolle absprechen. Es gibt berechtigte „irgendwies“, wenn beispielsweise jmd sagt: Stopf dir einfach irgendwie die Ohren zu, damit du mich nicht mehr hören musst. In einem solchen Fall wäre die Art und Weise tatsächlich vollkommen egal, ob Teer, Tampons oder Kerzenwachs, Hauptsache es ist still. Doch das sind die Tampons, die die Regel bestätigen. Bei den meisten Angelegenheiten wäre es nur irgendso eine Rezeption, wenn die Art und Weise nicht bekannt. Der Herr jedenfalls nahm seinen Hut. Ich hatte ihn […] beleidigt. Soweit kommt es. Auch das noch.